verschiedene Fläschchen mit Pflanzen in Flüssigkeiten für den Bereich "Heilpflanzen"

Ingwer – Zingiber officinale

Ingwerknolle, teilweise aufgeschnitten
Ingwerknollen
Ingwerscheibe Nahaufnahme

Der Ingwer, die Arzneipflanze des Jahres 2026, ist eine Pflanze der Wärme. Seine Heimat liegt in den Tropen und Subtropen Südostasiens, wo er seit Jahrtausenden kultiviert und geschätzt wird. Schon früh fand der aromatisch-scharfe Wurzelstock seinen Weg über Handelsrouten nach Europa und wurde sowohl als Gewürz wie auch als Heilpflanze verwendet. Bis heute ist Ingwer, diese fruchtig-frisch, sehr aromatisch und scharf schmeckende Knolle aus Heilkunde und Küche nicht wegzudenken. Sie ist sehr vielfältig einsetzbar: frisch oder getrocknet passt Ingwer zu Geflügel und Fisch, Eintopf und Suppen, eingelegt wird Ingwer zu Sushi gereicht und in der Weihnachtsbäckerei ist Ingwer Bestandteil vieler Süßigkeiten.

In der TEM gilt Ingwer als klassisches wärmendes Heilmittel. Er stärkt das Verdauungsfeuer, vertreibt Kälte aus Magen und Darm und bringt Bewegung in die Mitte. Besonders bei Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Appetitlosigkeit wird Ingwer seit Jahrhunderten eingesetzt. Seine Schärfe wirkt durchdringend, lösend und anregend. Sie bringt Säfte und Kräfte wieder in Fluss. Darüber hinaus wird Ingwer in der TEM auch als Mittel gegen „kalte“ Schmerzen geschätzt: bei rheumatischen Beschwerden, Muskelverspannungen oder wetterabhängigen Gelenkschmerzen. Hier verteibt er die Kälte und fördert die Durchblutung.

Auch in der TCM ist Ingwer eine zentrale Arzneipflanze. Frischer Ingwer wirkt scharf und warm, getrockneter Ingwer sogar heiß. Beide werden vor allem dem Funktionskreis von Milz und Magen zugeordnet, wirken aber auch auf Lunge und Herz. Ingwer vertreibt äußere Kälte, öffnet die Poren und fördert das Schwitzen: eine klassische Wirkung bei beginnenden Erkältungen. Gleichzeitig wärmt er die Mitte, harmonisiert den Magen und stoppt Übelkeit. In der TCM ist Ingwer eines der wichtigsten Mittel gegen Brechreiz, sei es bei Reisekrankheit, nach Operationen oder bei geschwächtem Verdauungssystem. Er unterstützt das Yang und verhindert, dass Kälte tief in den Körper eindringt. Ein besonderer Aspekt ist seine ausgleichende Wirkung: Ingwer wird häufig anderen Arzneien zugesetzt, um sie verträglicher zu machen und ihre Wirkung zu harmonisieren. 

Die heutige Phytotherapie bestätigt viele dieser traditionellen Anwendungen. Ingwer wirkt antiemetisch, entzündungshemmend, antioxidativ und durchblutungsfördernd. Seine Scharfstoffe, insbesondere Gingerole und Shogaole, beeinflussen Entzündungsprozesse, fördern die Verdauungssäfte und können bei Arthrose und rheumatischen Beschwerden schmerzlindernd wirken. Die Anwendung bei Reisekrankheit und dyspeptischen Beschwerden ist medizinisch anerkannt.

Ingwer ist keine sanfte Pflanze, er wirkt deutlich, spürbar, manchmal fordernd. Doch genau darin liegt seine Stärke. Er bringt Wärme in die Kälte, Bewegung in die Starre und Klarheit in die Mitte. Als Arzneipflanze des Jahres 2026 erinnert er uns daran, wie wichtig das innere Feuer für Gesundheit und Lebenskraft ist, ob als Tee, Gewürz oder Arznei. .

Bildquellen

 

Titelbild Heilpflanzenarchiv: Adobe Stock – chamillew

alle Heilpflanzen und sonstigen Bilder: Thomas Spies