Kartoffel – Solanum tuberosum
Erdapfel, Grumbeere, Äädappel: Kaum eine Pflanze hat im deutschen Sprachraum so viele Namen wie die Kartoffel. Ursprünglich stammt sie aus den südamerikanischen Anden und kam im 16. Jahrhundert nach Europa. Hier hielt man sie zunächst für eine Zierpflanze und freute sich an ihren Blüten und Blättern. Als Speise setzte sie sich erst später durch, dann aber so gründlich, dass sie bis heute zu unseren Grundnahrungsmitteln zählt. Weltweit gibt es mehrere tausend Sorten, die sich in Farbe, Geschmack, Größe und Kocheigenschaften unterscheiden.
Die Kartoffel gehört zu den Nachtschattengewächsen, wie Tomate und Aubergine. Als Schutz vor Fraßfeinden bildet sie in allen grünen Pflanzenteilen giftige Alkaloide, vor allem Solanin. Auch die Knolle selbst entwickelt Solanin, sobald sie Licht abbekommt. Das erkennt man an der grünen Färbung. Grüne und gekeimte Kartoffeln gehören deshalb nicht auf den Teller, und für Saft und Wickel gilt dasselbe.
Hildegard von Bingen kannte die Kartoffel noch nicht. Die TEM kann sie trotzdem einorden und zwar nach ihren Qualitäten. Die Kartoffel ist mild, leicht kühlend und feucht-nährend. Das passt zu ihrem Wirkungsfeld: Sie beruhigt gereizte Schleimhäute, befeuchtet und umhüllt. Gekocht und heiß aufgelegt kehrt sich das Bild um, denn dann speichert sie feuchte Wärme erstaunlich lange. Genau darauf beruht die Kartoffelauflage, die in der traditionellen Hausapotheke ihren festen Platz hat. Feuchte Wärme löst Zähes und Verhärtetes, bringt Stau in Bewegung und leitet aus.
Die chinesische Medizin beschreibt die Kartoffel als süß mit neutralem Temperaturverhalten. Beides ordnet sie der Wandlungsphase Erde/Mitte zu. Sie unterstützt Magen und Milz (wir können auch Verdauung dazu sagen) und reguliert vor allem den Flüssigkeitshaushalt. Diese Fähigkeit teilt sie mit anderen neutralen Nahrungsmitteln wie Pilzen, Kürbis, Yamswurzel und Karotten. TCM und TEM kommen hier zum selben Ergebnis, denn beide sehen in der Kartoffel ein mildes Mittel der Mitte.
Weil die Kartoffel den Flüssigkeitshaushalt der Mitte ausgleicht, hilft sie bei Verdauungsschwierigkeiten in beide Richtungen, bei Verstopfung genauso wie bei Durchfall. Bei Übersäuerung puffert sie überschüssige Magensäure, da sie basenbildend wirkt. Zugleich legt sie sich schützend auf die Schleimhaut und kann deshalb auch bei stärkeren Entzündungen und Geschwüren in Magen und Zwölffingerdarm eingesetzt werden. Zur Entsäuerung eignet sich roher Kartoffelsaft oder die gekochte Kartoffel. Das Kochen sollte ohne Salz und ohne Gewürze erfolgen.
Die basische Eigenschaft der Kartoffel kommt auch bei rheumatischen Erkrankungen zum Tragen. Hier geht es darum, Feuchtigkeit und Hitze oder Kälte auszuleiten, und dabei unterstützt die Kartoffel, besonders mit ihrer schmerzlindernden Wirkung bei entzündlichen Prozessen. In den Atemwegen hilft sie bei Bronchitis und Husten mit viel Schleim, indem sie die Feuchtigkeit löst und ausleitet. Das ist der Grund, warum die heiße Kartoffelauflage bei uns als Hausmittel so bekannt ist.
Bei Entzündungen unterschiedlichster Art hilft die Kartoffel äußerlich. Bei Furunkeln und Eiteransammlungen kann ein Brei aus rohen Kartoffeln aufgelegt werden. Ein heißes Kartoffelsäckchen hat sich bei Mittelohrentzündungen bewährt. Die Kartoffel leitet den Eiter aus. Sie löst die mit dem Eiter verbundene Blockade und Spannung, lindert somit Schmerzen und unterstützt den Heilungsprozess.
Bildquellen
Titelbild Heilpflanzenarchiv: Adobe Stock – chamillew
alle Heilpflanzen und sonstigen Bilder: Thomas Spies